Die Jahre zwischen 1797 und 1809
Die Jahre zwischen 1797 und 1809 waren für Kythira – wie für alle Ionischen Inseln – eine Zeit extremen politischen Umbruchs. In nur zwölf Jahren wechselte die Herrschaft über die Insel fünfmal. Kythira wandelte sich von einer venezianischen Kolonie zu einem französischen Department, dann zu einem russisch-türkischen Protektorat, erneut zu einem französischen Stützpunkt und schließlich zu einem britischen Besitztum.
Eine detaillierte Chronologie der Ereignisse in dieser turbulenten Phase:
1. Das Ende Venedigs und die erste französische Herrschaft (1797–1798)
Nach Jahrhunderten der Stabilität unter der Republik Venedig brach das alte System zusammen, als Napoleon Bonaparte Venedig eroberte.
- 1797 (Ankunft der Franzosen): Mit dem Frieden von Campo Formio endete die venezianische Herrschaft offiziell. Die Franzosen, unter dem Kommando von General Vincent Renaud, besetzten Kythira. Die Insel wurde Teil des französischen Départements Mer-Égée (Ägäisches Meer).
- Symbolische Akte der Revolution: Die Franzosen brachten die Ideale der Revolution („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“) auf die Insel.
- Auf dem Hauptplatz von Chora (Estavromenos-Platz) wurde feierlich ein Freiheitsbaum gepflanzt.
- Das „Libro d’Oro“ (das Goldene Buch), das die Privilegien des Adels verzeichnete, wurde öffentlich verbrannt. Dies symbolisierte das Ende der feudalen Ordnung und begeisterte zunächst die nicht-adelige Bevölkerung und Bauern.
2. Die russisch-türkische Besatzung und innere Unruhen (1798–1800)
Die französische Präsenz im östlichen Mittelmeer alarmierte das Osmanische Reich und Russland, die sich (ungewöhnlicherweise) verbündeten, um die Franzosen zu vertreiben.
- 1798 (Belagerung): Eine vereinigte russisch-türkische Flotte erreichte Kythira. Die kleine französische Garnison, die in der Burg von Kythira (Chora) belagert wurde, musste kapitulieren.
- Machtvakuum und Anarchie: Mit der Vertreibung der Franzosen entstand ein Machtvakuum. Die Bauern, die durch die französischen Ideen der Gleichheit ermutigt worden waren, wehrten sich gegen die Rückkehr der alten adeligen Ordnung.
- Massaker von 1800: Die Spannungen entluden sich gewaltsam. Bauern griffen die Adligen an. Es kam zu Plünderungen und Morden, bei denen einige der führenden Aristokraten der Insel im Palast der Verwaltung (innerhalb der Burg) getötet wurden.
3. Die Republik der Sieben Inseln (1800–1807)
Um die Ordnung wiederherzustellen, gründeten Russland und das Osmanische Reich im Jahr 1800 die Republik der Sieben Inseln (Heptanesos). Es war der erste halb-autonome griechische Staat der Neuzeit, stand aber unter russischem und osmanischem Schutz.

- Restauration: Die Republik versuchte, die alte Ordnung teilweise wiederherzustellen, was auf Kythira aufgrund der vorherigen Aufstände schwierig war. Eine Verfassung wurde eingeführt, die jedoch stark zugunsten des Adels gewichtet war.
- Schiffbruch der „Mentor“ (1802): Ein bedeutendes kulturelles Ereignis dieser Zeit war der Untergang der Brigg Mentor. Das Schiff gehörte Lord Elgin und transportierte die berühmten Parthenon-Marmorskulpturen (Elgin Marbles), die Elgin von der Akropolis in Athen entfernt hatte. Das Schiff sank im Sturm vor dem Hafen von Avlemonas.
- Die Bergung: Lord Elgin musste Schwammtaucher aus Kalymnos und Symi anheuern, um die Kisten mit den Skulpturen in einer aufwendigen, zwei Jahre dauernden Aktion aus dem Wrack zu bergen.
4. Die zweite französische Herrschaft (1807–1809)
Die geopolitische Lage in Europa änderte sich erneut durch Napoleons Siege.
- 1807 (Frieden von Tilsit): Nach dem Sieg über Russland vereinbarte Napoleon im Frieden von Tilsit, dass die Ionischen Inseln (und damit Kythira) an Frankreich zurückfallen sollten.
- Rückkehr der Truppen: Die Franzosen kehrten zurück, diesmal jedoch nicht als revolutionäre Republikaner, sondern als Vertreter des napoleonischen Kaiserreichs. Sie begannen, die Befestigungen der Insel zu verstärken, da sie einen Angriff der britischen Flotte fürchteten.
5. Die britische Eroberung (1809)
Die britische Royal Navy dominierte zu dieser Zeit das Mittelmeer und begann systematisch, die Ionischen Inseln von den Franzosen zu erobern.

- Oktober 1809: Britische Truppen landeten auf Kythira. Die französische Garnison war zu schwach, um ernsthaften Widerstand zu leisten, und ergab sich.
- Beginn des britischen Protektorats: Dies markierte den Beginn der langjährigen britischen Herrschaft (die formal 1815 mit dem Vereinigten Staat der Ionischen Inseln bestätigt wurde). Die Briten begannen in den Folgejahren mit umfangreichen Infrastrukturprojekten (Brücken, Schulen, Straßen), oft unter Einsatz von Zwangsarbeit der lokalen Bevölkerung.
Zusammenfassung der Herrschaftswechsel
| Zeitraum | Herrschende Macht | Wichtige Merkmale |
| bis 1797 | Venedig | Feudalismus, Stabilität, „Libro d’Oro“. |
| 1797–1798 | Frankreich (1) | Demokratische Ideale, Verbrennung des Adelsbuchs. |
| 1798–1800 | Russland / Osmanen | Belagerung, Vertreibung der Franzosen. |
| 1800–1807 | Republik der sieben Inseln | Halbautonomie, Bauernaufstände, Schiffbruch der Mentor. |
| 1807–1809 | Frankreich (2) | Kaiserliche Herrschaft, Festungsbau. |
| ab 1809 | beginn der englischen Epoche (Großbritannien) | Beginn der britischen Verwaltung und Infrastruktur. |
Quellen:
- Historische Daten kythira.gr
- Microsoft Copilot
